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  • AutorenbildHilda Steinkamp

"Let Paradise Be Within All of Us"

Wege durch Vietnam (3): Tourismus-Business mit Hand und Herz

Paradise Resort Doc Let in Ninh Hoa Town, Vietnam

Vom Süden zurück in Richtung Nordvietnam, im Spannungsfeld zweier gesellschaftlicher Systeme (s. Wege durch Vietnam 2) und zwischen luftmobilen beruflichen Einsätzen, mache ich einen Zwischenstopp etwa 400 km nördlich von Ho-Chi-Minh-Stadt und lande im Flughafen Cam Ranh der Küstenstadt Nha Trang.

Ich tauche unter im Dorf Ninh Hòa und in ein Strandhaus vor sanftem Surf in einer ruhigen Bucht im Südchinesischen Meer, eine südseeperlengroße Oase an Vietnams Küstenlinie von über 3.400 km.

Eine Hotelanlage im Südsee-Stil, klein und komfortabel, ein Strandhaus für mich in der ersten Reihe auf einem Plateau - hoch genug, um den nächsten Sturmwellen zu trotzen, die 2017 die ursprüngliche Anlage in landesüblicher Leichtbauweise hinweggefegt haben. Ein paar Tage und Nächte Ruhe in dieser abklingenden Regenzeit vor dem beruflichen Sturm mit wissbegierigen Junglehrkräften im Bildungs-Business.










Wer diese einladende Anlage sieht, vermutet nicht, dass es schon der zweite Bau gleichen Namens an gleicher Stelle auf ehemals wildwüchsigen Sandhügeln ist.

Foto: Paradise Resort Doc Let

"Doc Let" bedeutet so viel wie "Sandhügel", den man nicht herabsteigen, nur herabrutschen kann.

Gründervater Vladimir Mihic aus Kroatien hatte nach langem Familienleben in Frankreich Anfang der 1990er-Jahre Europa den Rücken zugekehrt und fand mit 65 Jahren sein doppeltes neues Glück in diesem Landstrich: altes Grundstück und sehr junge Frau. Mit der Ehe kam für ihn die Berechtigung zum Landkauf, das erste Wohnhaus wurde schnell mit der wachsenden Familie gefüllt. Kommunikation war ein Problem. Das Ehepaar hatte keine gemeinsame Sprache. Vater Vladimir schrieb seiner Frau Hoa Wichtiges per Brief auf Englisch, den dann ein örtlicher Experte, mit entsprechendem Zeitbedarf, ins Vietnamesische übersetzte. Snail mail, die Briefpost im alten Europa, hat da im Vergleich noch Turbo-Qualitäten. Um englischsprechende Gesprächspartner um sich zu versammeln baute Vladimir 2002 zunächst einen Bungalow zum attraktiven Übernachtungspreis von $ 1 - kein Geschäftsmodell, ein Konversationsbedürfnis. Und das funktionierte gut. Bald wurde daraus mehr: eine Ferienanlage mit Strandhäusern aus Holz und Bambus. Sturm Damrey fegte sie 2017 so gut wie weg, setzte einen riesigen Frachter auf den Sand.

2018, nur ein Jahr später, mit Körper- und Willenskraft der jungen heutigen Hotelmannschaft, entstanden die heutigen Häuser in Massivbauweise und mit Palmendächer, die mit Netzen gegen Sturm gesichert sind. Gründer Vladimir erlebte mit über 80 Jahren weder Katastrophe noch Konstruktion noch die jüngste Renovierung 2021/22.


Diese Familien- und Hotelgeschichte erfahre ich erst, als ich bereits ins Paradies eingezogen bin. Und aufmerke und willkommene Neugierfragen stelle. So tritt dieser mutige wirtschaftliche Drive der Belegschaft und ihr beispielhaftes Teamdenken zu Tage. So viel Hand angelegt beim gemeinsamen Projekt der Zukunftssicherung. Jetzt möchte ich auch noch ins Herzstück gelangen.


Der Weg ins Paradies

Vom Flughafen sind es bis zur Ruheoase erstaunliche 90 km per Car Taxi. Das in den Großstädten für mich ideale Bike Taxi kommt allein wegen 30 kg Gepäck nicht in Frage. Diesen Konsumballast muss ich echt noch abspecken lernen, in einem Klima, in dem man auch als Frau mit one bikini, two pairs of shorts, two T-shirts, two pairs of sandals plus two business suits and three evening dresses auf Reisen bestens ausgestattet ist. Meine Buchungen könnten topografisch auch umsichtiger werden, Flughafen und Unterkunft in schneller erreichbarer Nähe. Ich habe komfortable viel Zeit zu verschenken, doch weniger für Transiterfahrungen. Denke ich. Zunächst. Und für nicht verhandelbare 1.000.000 VNÐ ist der Transfer ja auch kein Schnäppchentarif. Zu sehr habe ich mich schon an die Niedrigpreise hier im Lande gewöhnt, dass ich bei umgerechnet € 40 in einen deutschen Sparmodus zurückverfalle. Der 50km-Flughafentransfer von Potsdam nach BER liegt bei € 130. Aber jetzt geht kein Weg vorbei an einem Taxi-Transfer in einer ländlichen Gegend, die öffentliche Verkehrsmittel nicht kennt.

Und dann wird der längliche Transfer doch noch zu einem ganz eigenen Erlebnis. Also, es geht die Küste hoch gen Norden. Auf Straßen, die zuerst dicht sind - es ist vor 8 Uhr früh und überfüllt im wirtschaftlich lebendigen Nha Trang (340,000 Einw.) - und dann immer enger werden mit notdürftigen Ausweichbuchten und schließlich in asphaltlose Landwege mit Spurrillen, Schlaglöchern, frisch aufgefüllten Regenwasserlachen, Geröll und Abfall jeder Art münden. Und dazwischen: urbar gemachtes Land, mit den natürlichen Wasser- und Regenmengen der tropischen Region eine ideale Kulturlandschaft für den Reisanbau und für die Zucht von Krabben und Schnecken für die vielseitige vietnamesische Küche.

Das Tor zum Paradies

taucht nach fast zwei Stunden Herumkutschierens im Niemandsland unter Bougainvillea-Bögen auf.


Wen's gleich weiter herauszieht, übers Meer und in die Lüfte, auf den warten Kajakfahrten im Paradies oder Parasailing im Resort nebenan:


Strandhütte mit Extras

Ich checke ein, packe aus und merke: falsche Hütte laut Buchung. Zu klein, ohne Sitzecke und Arbeitstisch, mein Türschlüssel passt auch zum Bungalow nebenan, wo ich mich noch halb benommen von frühem Ausstehen, lautem und wuseligem Flughafen-Check-In und rumpeliger Langstreckenfahrt nach dem Lunch irrtümlich einquartieren wollte.


Freundlich reklamiert, freundlichst kompensiert: Die Deluxe-Variante steht mir nun offen. Ein Esstisch in Arbeitshöhe wird unkompliziert auf die überdachte schattige Patio gehievt, zwei Holzstühle auch, Sitzkissen sind verzichtbarer Zivilisationsballast für naturhafte Menschen:


Meine überschäumende Dankbarkeit - auch ein Reflex meiner noch betäubten Sozialsinne - wird anerkennend angenommen, aber selbstbewusst relativiert:

"If it's OK for you, it's OK for us. You just feel at home. Be our guest!" 

So spricht Phan, eine junge studierte Touristikmanagerin mit feinfühligem Englisch und Sanftheit im Lächeln und einer kurz meinen Arm streifenden Handgeste.


Frühmorgens bleibt der Wecker stumm. Der Sonnenaufgang um 5:30 Uhr leitet den Tag ein. Das landesübliche Frühstück mit europäischen und amerikanischen Beigaben übertrifft alle meine deutschen Mengenerwartungen und Essgewohnheiten.

Der dickflüssige starke CÀ PHÊ (vietnamesisches Schriftbild des lautlich und kulinarisch übernommenen Cafés aus französischen Kolonialzeiten) wird gemildert durch eine süßlich-breiige Kondensmilch Sữa đặc (10,8% Fett) - ein Muntermacher, den man unbedenklich genießen kann, optimal auch gekühlt und auf Eis.

Und abends? TV gibt's im Paradies ja nicht. Weder in den Strandhäusern noch im offenen Restaurant unter Palmwedel-Dächern. Dafür sind die Views hier naturhaft. Und prägen sich dauerhaft ins Reisegedächtnis ein. Die Nacht beginnt früh, um 18 Uhr ist es stockdunkel, zu Abend essen kann man ab genau dann, man spricht wieder in der Familie, mit jüngsten internationalen Tischbekanntschaften, die privaten Plaudereien auf den Patios klingen lange vor Mitternacht aus. Und Kopfnüsse kann's geben aus heiteren Palmenwipfeln, wenn man arglos unter regennass geschüttelten Kokospalmen schnell mal zum Restaurant hochhüpfen will:

Lokal abgeschieden, global vernetzt

In diesem entlegenen Zipfel an Vietnams mehr als 3.400 km langen Küste lebe ich rundum sorglos, wenn auch abgeschieden - kein Circle K-Supermarkt, keine ambulanten Bike-Händler weit und breit. Kein Wunder, dass all inclusive keine Buchungsoption war, sondern eine notwendige Versorgungsleistung seitens der Hotelbetreiber. Und sie sind reine Fürsorger - die jungen Mitarbeiter in der Paradise Crew.


Erscheine ich mal nicht zum Lunch, weil die 32°-Hitze das Hungergefühl der Europäerin herunterfährt, kommt die besorgte Thao, erkundigt sich mitfühlend nach meinen Wünschen und kommt forsch zurück mit einem exotischen Früchteteller - Jack Fruit, Litschi, Drachenfrucht, die bekannte Banane in Miniformat. Fast gebieterisch in ihrer Fürsorge, ohne Spur von Dienstbotenmentalität.


Der Tag beginnt früh im Paradies, um 5:30 Uhr färbt die Sonne den Horizont glutrot, um 6 ist es taghell. Frühstück gibt's im tropischen Tageszyklus ab 7.


Ein Bad im Meer zuvor ersetzt die Dusche nicht, weckt aber die sinnliche Begierde nach dem Urelement Wasser. Die Lebensgeister auch. Immerhin liegt die Wassertemperatur doch noch leicht prickelnd unter dem Normwert von rund 36° für den erwachsenen Menschen.


Venus, die aus dem Meeresschaum Geborene, mag da aus europäischer Fantasie kulturüberspannend in die südchinesischen Gewässer gebeamt werden und vielleicht schemenhaft in den frühmorgendlichen Nebelschwaden in der Hügelkette am Horizont aufsteigen. Und - Überraschung: Am Abend gibt's die Venusmuscheln (oder eine lukullische Variante davon) frisch serviert als Stäbchen-Vorspeise.


WiFi funktioniert gut - mit gelegentlichen kurzen Einbrüchen bei turbulenter Wetterlage, die mit Blitz und Donner und meist kurzen Regengüssen, in der Nacht schon mal ergiebiger, den üppigen Pflanzenwuchs alimentieren. Künstliche Bewässerung ist hier ein Fremdwort. Ein Gärtner eine wenig gefragte Berufsgruppe. Investiert wird eher in Klimaanlagen. Selbst am Strand in Wassernähe sind Internetverbindungen vital - für den schnellen Klick-Versand von Situationsfotos nach Hause oder das App-Lesen von Nachrichten aus der fernen europäischen Welt.

Nur wenige Radumdrehungen außerhalb des Paradieses: Funkloch, Funkstille. Kein Handy-Navi auf meinem free ride auf dem paradiesischen bike. Auch dies ein großzügige Gabe der Hotel-Betreiber. Auf dem Lande geht's dann wie eh und je analog auf die richtige Spur, mit Nach- dem-Weg-fragen, bestenfalls mit englischen Allerweltswörtern (where, right, left, long, minutes) oder sprachlos per multipler Körperzeichen.

Wo immer ein schattiger Biker-Treff auftaucht, mit Drinks aus dem importierten oder heimischen Bierfass oder der lokalen Kokosnuss und einem Fuhrpark an Zweiradmaschinen, da signalisiert das globale Zeichen "WiFi" mit schlichtem pass, z.B. ABC123456, der verirrten Euro-Bikerin weltweite Vernetzung und rasche Zwischenorientierung auf Google Maps für ihre Fahrt durch das Dorf Ninh Hòa (mit dem Pfeil rechts durch die Dorfstraßen) und in die weitere Landschaft:


Der Schlüssel zum Paradies

Umhegt und gepflegt werden die Paradies-Besucher wie das Paradiesgelände selbst. Und dies wie sonst in kaum einer anderen All-inclusive-Ferienanlage, die ich selbst nie getestet habe, sondern nur aus kritischen Berichten anderer Reisender kenne. Hier herrscht keine Massenbetriebsatmosphäre, sondern eine Haltung: Gastfreundschaft, keine Perfektion, sondern eine sorgsame Beziehung zu jedem einzelnen Gast. Mit dem Stolz einer Kultur, die unbelastet von einem kommunistischen Einheitsstaat wohltuende Akzente der "loving kindness" setzt, wie ich sie aus der Hindu-Tradition kenne.

Wenn ich es nicht schon an so vielen kleinen aufmerksamen Gesten und vor allem an diesem ansteckenden menschenfreundlichen Lächeln bemerkt hätte - diese jungen Hüter des Paradieses haben es sich nicht auf die Fahnen geschrieben, sondern auf ihre Palmendruck-Hemden sticken lassen: "Paradise Is Within Us." Und sie leben ihr Motto. Alle.











Ihre Menschenfreundlichkeit lebt Phan - wie auch ihr Paradies-Team - in der Tradition ihrer Familie weiter:

You want happiness? The shortest way to make yourself happy is to make another person happy!" 

Jung-Hotelier Claude (25), Sohn des Gründervaters Vladimir und erklärter Selfmade-Man, folgt seinen eigenen Standards weiß sein Team in seinem Unternehmergeist zusammenzustellen und zu halten:

"Wir begegnen einander auf Augenhöhe. Ganz klar, Chef bin ich, aber jeder gibt seinen vollen Einsatz, alle legen Hand an. Uns allen geht es um das Wohl der Gäste. Ihr Lächeln ist unser Lohn."  


"When a guest smiles at us, that puts all the fire in our team."
GM Hau und Chef Claude

Wie Phan ist auch Hau ein Tourismus-Experte, er ist als GM - General Manager - für den Gästekontakt sowie das Marketing zuständig. Beim Bewerbungsgespräch ging es Claude nicht so sehr um Haus akademische Abschlüsse, sondern um seine Einstellung zum Dienst am Menschen. "Und die passt", strahlt Claude mit Hau, dem jüngsten Mitglied im Paradies-Team. Arbeitsplatz- und Mitarbeiter-Zufriedenheit - ein dopplelter Glücksfall. So entsteht Paradies!

Paradise Service-Crew: Hung, Thào, My, Hiếu und Anh

Paradiesisch ist die Firma auch, was die Diversität ihrer Mitarbeiterschaft anbelangt. Leichter Frauenüberschuss, Qualifikationen auf allen Levels, Optimierungswille selbstverständlich. My und Hung sind taubstumme Eheleute, die mit der Ankunft ihres Babys den Schritt in die nächste Generation wagen. Sie sind überall im Einsatz: im Restaurant, wo sie mit Gesten der stummen Herzlichkeit die Gäste bedienen und deren Wünsche von den Augen ablesen, und in der Küche, wo sie Hiếu, der begnadeten Chef-Köchin, zur Hand gehen. Die Bartender Simon und Anh wie auch die Frühstücksdamen Tra und Tho machen das Team komplett.


Anh mixt Paradise Pleasure: Tequila, Triple Sec, Lemon, Passion Fruit, Tobasco


Meine Tage im Paradies sind gezählt. Batterien aufgeladen. Wundert es mich, dass die Verabschiedung ebenso herzlich wie unkonventionell verläuft?

"Good friends never say good-bye.

We say: See you again. Soon!

*****

https://www.paradiseresortdoclet.com

© Fotos Familien- und Hotelgeschichte: Claude, Paradise Resort Doc Let


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