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  • AutorenbildHilda Steinkamp

"Fontane on Tour" auf Zwischenstation in Petzow

Aktualisiert: 17. Mai 2023

Ausstellungseröffnung in der Kulturkirche in Petzow

Foto: www.potsdam-mittelmark.de
Dichter und Korrespondent
Theodor Fontane in den 1860er-Jahren - Aus: Helmuth Nürnberger, Fontanes Welt. Berlin. 1997: 230.

Theodor Fontane (1819-1898) aus dem Brandenburger Land war vielgereist.


Schon in seiner frühesten Jugend erwachte sein Sinn für Gegenden und Geschichte(n), für Politik und Persönlichkeiten. Noch in "(S)einen Kinderjahren" taten sich durch Schilderungen des Vaters und erste eigene Zeitungslektüren wahre Guckkastenbilder vom Zeitgeschehen vor seinen Augen auf - virtuelle Welten, so würden wir 200 Jahre später sagen.


Nach einem Irrweg über Ausbildung und Approbation zum "Apotheker erster Klasse" brach Fontane als Schriftsteller und Journalist dann in reale Welten auf. Stationen seiner poetischen und dokumentarischen Reisen waren nationale Gewässer wie Ostsee und Rhein, das Nachbarland Frankreich sowie England und Schottland jenseits des Kanals, später zog es ihn auch in den kontinentalen europäischen Norden und Süden nach Dänemark, Österreich und Italien.


Zwischendurch ließ sich der Zeitungskorrespondent vom einträglicheren Geschäft der Reiseschriftstellerei begeistern, die Mitte des 19. Jahrhunderts boomte. Lesen statt reisen - das war das Los der meisten Zeitgenossen mit schmalem Budget. Reiseliteratur hatte einen Markt. Diesen Trend schriftstellerisch zu bedienen, auch mit der wirtschaftlichen Fürsorgepflicht für Frau und Kinder - das war keine träumerische Verirrung eines begabten Schreibers. Regelmäßiges Einkommen schützt vor Ehekrisen. Damals wie heute. Seine epischen Werke (Effi Briest, Irrungen Wirrungen, Frau Jenny Treibel und weitere Romane) wie auch seine Theaterkritiken sollten Altersschriften werden.


Der Reiseberichterstatter Fontane

spannte weit seine Flügel aus. Er begann mit seiner Geburtsstadt Neuruppin. Und machte mit seinen märkischen Wanderbüchern einen Reichtum an entlegenen und zugleich sehenswerten Brandenburgischen Ortschaften öffentlich: von Lübbenau über Großbeeren und Ruppin, Liebenberg und Hoppenrade, Möglin und Wust bis zu Caputh, Petzow und Gindow. Ganze Landstriche wie Havelland und Spreewald, Lausitz und Schwielowsee wurden mit Fontanes Federstrichen einem breiten Publikum in ganz Deutschland bekannt.


Seine Reiseberichte füllen sein bekanntes mehrbändiges Werk Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Vier Bände werden es in seinen aktiven Schriftstellerzeiten, ein fünftes Konvolut bündelt Schriften, die zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht geblieben waren.


Nun also tourt Fontane wieder

und legt mit "Skizzen und Notizen aus dem Havelland" eine Zwischenstation in Petzow ein. Gerade in Petzow - von allen Orten! Dessen Kirche stand nicht ganz so hoch in Fontanes Ansehen: Beim Anblick der Dorfkirche ließ sich der Dichter einst zu diesem Kommentar hinreißen:


"So entstehen denn entzauberte Kirchen, die helle Fenster und gute Plätze haben, die aber den Sinn erkalten lassen, weil mit der Vergangenheit gebrochen wurde" (Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Kap. "Petzow").



Klingt so literarisches Marketing für einen Reisebericht?! Und was darf man sich angesichts der Berge an bekannter Reiseliteratur aus Fontanes Feder inhaltlich unter der kommenden Veranstaltung in der Kirche vorstellen? Der Veranstalter preist an:

Die Ausstellung FONTANE ON TOUR präsentiert bisher unbekannte Skizzen und Notizen aus dem Havelland. Sie entstanden während der Recherche für den dritten Wanderungen-Band, der vor 150 Jahren erstmals veröffentlicht wurde. 

Aha! Also entstaubte Manuskripte aus dem Nachlass und aus Bibliothekskellern, ans Tageslicht gebracht von eifrigen bibliophilen Händen? Nein! Die Kulturereignisse in der Petzow Kirche bringen Kunst zum Leben, auch Schrift- und Grafikkunst aus einem entfernten Jahrhundert. Nach dem Form- und Farbenspektakel der Wieland-Rödel-Gemälde, die nach vier gut besuchten Wochen am letzten Sonntag das Feld räumen mussten, sind die Kirchenwände blank und frei für die Fontane-Ausstellung. Und Werbung ca. 150 Jahre nach Fontanes sprödem Petzow-Bekenntnis geht heute anders:

Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Notizbuchblätter, die das gesamte Spektrum der beschriebenen Sehenswürdigkeiten im Havelland abbilden: Schloss und Kirche, Wirtshaus und Ziegelei, Gruft und Grotte.

Gezeigt werden Fontanes faksimilierte Skizzen, denen historische und aktuelle Fotografien gegenübergestellt werden.

Und die angesagte Multi-Media-Präsentation in der Kirche trifft den Nerv unserer Zeit:

© Peter Ziesche https://www.hoestermann.de/DE/actor11199.html

Zur Vernissage am 21. Mai 2023 um 14 Uhr in der Kirche in Petzow wird die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni aus Fontanes »Havelland« lesen.







Die Kuratoren der Ausstellung, Gabriele Radecke und Robert Rauh, erzählen von ihrer spannenden Recherche. 

Gabriele Radecke, Literaturwissenschaftlerin und Autorin in Berlin © Klaus-Peter Möller (2019)




Robert Rauh, Autor und Lehrer in Berlin © Silvia von Eigen













Und Musik gibt's auch noch.
Ein Fest für die Sinne.
In einer entwidmeten, aber keineswegs "entzauberten" Kirche.
Lohnenswert.
Und eintrittsfrei.


*****


VERNISSAGE:

"FONTANE ON TOUR.

Skizzen und Notizen aus dem Havelland"

Sonntag, 21. Mai 2023, 14:00 Uhr

AUSSTELLUNG:

21.05. - 23.07.2023

jeweils Samstag und Sonntag, 11:00 - 18:00 Uhr

Kulturkirche Petzow, Fercher Straße 52

14542 Werder (Havel)

VERANSTALTER:

Landkreis Potsdam-Mittelmark.de

Kulturreferentin: Doris Patzer

Telefon: 033841-91442


Die grau unterlegten Texte stammen vom Veranstalter:

https://www.potsdam-mittelmark.de/freizeit-tourismus/veranstaltungen

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