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Grünes Schwielowsee - Bürgerinitiative "Tempo 30 in Ferch" nimmt Fahrt auf

Aktualisiert: 27. März

Das RBB-Robur-Team am 25. März 2022 mit Bürgern und Behörden auf dem Potsdamer Platz

Was sucht das RBB-Robur-Team in Ferch?

Michael Scheibe vom RBB-Robur-Redaktionsteam will auf dem Vorort-Termin am 25. März 2022 das Anliegen der Bürgerintiative "Tempo 30 in Ferch" öffentlich machen. Als Teilnehmer werden vorgeschlagen betroffene Bürger:innen sowie Vertreter:innen der zuständigen Behörden.


Worum geht es der Bürgerinitiative "Tempo 30 in Ferch"?

Verkehrsberuhigt wünschen sich Bewohner in Ferch im "Staatlich anerkannten Erholungsort Schwielowsee" bestimmte Teilstrecken zwischen Ortseingang und Ortsausgang, und zwar dauerhaft, mit 30 km/h als Regelgeschwindigkeit. Die genauen Teilstrecken stehen auf www.gruenes-schwielowsee.de. Karl Heuer, seit 2019 Mitglied im Ortsbeirat Ferch, hat die Bürgerinitiative ins Leben gerufen und sie auf die entscheidende Strecke gebracht: Unterschriftensammlung gestartet, eine Petition verfasst, beim Landkreis Potsdam-Mittelmark eingereicht.


Was ist der Stand der Bürgerinitiative im März 2022?

Hierzu Karl Heuer: "Am 2.2.22 wurde unsere Petition im Petitionsausschuss des Landkreises Potsdam-Mittelmark behandelt. In der Online-Sitzung wurde mir die Gelegenheit gegeben, unsere Petition vorzustellen. Die Mitglieder des Gremiums zeigten sich sehr aufgeschlossen. [...] Die Petition wird an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Es nehmen das Straßenverkehrsamt, Straßenbaulastträger, Polizei und die Gemeinde Schwielowsee Stellung.

Das Straßenverkehrsamt hat die besondere örtliche Gefahrenlage, welche eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit rechtfertigen würde, bisher noch nicht erkannt.

Es wird auf Verkehrszählungen, (zu geringe) Unfallzahlen und Lärm-Immissionsmessungen Bezug genommen.

(https://www.openpetition.de/petition/blog/petition-fuer-tempo-30-in-ferch-tempo-30-macht-unsere-strassen-sicher#petition-main)

Der Initiator der Bürgerinitiative "hofft auf eine neue Bewertung der Situation, die nicht nur in erster Linie Bezug auf den fließenden Verkehr nimmt, sondern die Sicherheit an erste Stelle setzt."


Der Weg über ein Vorort-Treffen in die regionale TV-Öffentlichkeit scheint dabei der richtige Weg zu sein, um den Entscheidungsträgern die Dringlichkeit des Fercher Bürgeranliegens vor Augen zu führen.


Was passiert auf dem Vorort-Treffen am 25. März 2022 auf dem Potsdamer Platz in Ferch?

Karl Heuer schreibt hierzu diesen Bericht:


Rund fünfzig Bürger haben sich auf dem Potsdamer Platz in Ferch versammelt, um über die Petition zu Tempo 30 in Ferch zu diskutieren. Bei strahlendem Sonnenschein biegt der Robur auf den Potsdamer Platz ein. 

Die Bürgerinitiative für Tempo 30 auf Teilstrecken in Ferch hat im Februar 2022 die Petition mit über 1200 Unterschriften beim Petitionsausschuss des Landes Brandenburg eingereicht.


Der RBB-RModerator Michael Scheibe interviewt als Ersten den Einreicher der Petition an das Land Brandenburg, Karl Heuer, der auch Mitglied im Ortsbeirat Ferch ist. 
Gefährliche Kreisstraßen in Ferch
Heuer weist auf die Probleme hin, die zur Gründung der Bürgerinitiative geführt haben. In Ferch gebe es die Dorfstraße, die eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 habe. Aber aufgrund des Kopfsteinpflasters und der beengten Verhältnisse sei das auch gar nicht anders möglich. 

Ganz anders seien die Kreisstraßen in Ferch: Der gesamte Verkehr zwischen den Autobahnanschlüssen Ferch und Glindow fließt durch Ferch, insbesondere, wenn es Staumeldungen auf der Autobahn gibt. In der Saison gibt es auf den schmalen, fast überall nur mit einseitigen Fußwegen ausgestatteten Straßen Gefährdungen von Radfahrern und Fußgängern. Tempo 30 sei die einfachste und kostengünstigste Methode, den Verkehr zu beruhigen. Geschwindigkeitsbegrenzungen können aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs (§45 Abs.1 StVO), bei Erforderlichkeit z.B. in Bade- oder Kurorten, Erholungsorten, wenn dadurch anders nicht vermeidbare Belästigungen durch den Fahrzeugverkehr verhütet werden können ( §45 Abs.1a StVO) erlassen werden. 

Karl Heuer schlägt vor seitens der Behörden des Kreises, die die Entscheidungsvollmacht haben, nicht zu prüfen, warum man die Forderungen ablehnen kann, sondern wie man die Forderung nach mehr Sicherheit schnell erfüllen kann.
Unterstützung durch Bürgermeisterin und Gemeindeverwaltung Schwielowsee
Leider sind der Einladung von Michael Scheibe zur Stellungnahme keine Vertreter des Landkreises Potsdam-Mittelmark sowie von deren Straßenverkehrsbehörde gekommen. Die Bürgermeisterin von Schwielowsee, Kerstin Hoppe, ist leider auch verhindert. Aber sie unterstützt die Petition für Tempo 30 genauso wie die Verwaltung der Gemeinde. 
Bisher wurden sämtliche Anträge des Fachbereiches Ordnung und Sicherheit auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung abgelehnt. Deshalb ist die Bürgerinitiative durchaus willkommen.

Zustimmung vom Ortsbeirat Ferch
Ebenso wird die Petition vom Ortsbeirat Ferch unterstützt, dieses wurde im November 2021 einstimmig beschlossen. 

Dazu sagt der Ortsvorsteher Roland Büchner: "Ferch hat zu enge Straßen, deshalb ist die Geschwindigkeitsbeschränkung entlang der Wohnbebauung notwendig. Im Sommer fahren 4000 bis 5000 Fahrzeuge pro Tag durch Ferch, deshalb sind  Messungen des Kreisstraßenbetriebs im März sinnlos. Ferch ist ein Erholungsort. Daher sollte der Verkehr möglichst weitgehend aus dem Ort herausgehalten werden. Wir hatten bereits eine temporäre Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30. Wenn wir wieder diese Verkehrsdichte erreichen, pochen wir darauf, diese wieder zu bekommen. Auch ist eine bessere Überwachung der Geschwindigkeit notwendig. Eine andere Möglichkeit ist die Einrichtung von Querungshilfen und Verkehrsinseln."

Gegnerische Stimmen
Es meldet sich nur ein Gegner einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu Wort, Rainer H. Müller vom Fercher Resort Paradies und Professor für Pharmazie an der FU Berlin. Er behauptet, dass nur die Neu-Fercher, also die zugezogenen Bürger, Tempo 30 fordern würden, die alteingesessenen Bürger das nicht interessieren würde. Diese haltlose Behauptung findet allerdings keine weiteren Befürworter. Hier wird mutmaßlich eine Spaltung der Bürgerschaft versucht. 

Redakteur Scheibe hinterfragt, wie zerrissen das Dorf sei. Roland Büchner und auch die anderen Bürger sehen das eher nicht. Im Gegenteil - es gibt große Empörung über solche Unterstellungen bei den Anwesenden.

Neue Radwege für Brandenburg
Christian Wessel, als Vorstandsmitglied des ADFC Brandenburg und in der Arbeitsgruppe des Landes Brandenburg zur Ausarbeitung des neuen Mobilitätsgesetzes, kommt auch zu Wort: "Es ist vorgesehen, den Radverkehrsanteil in Brandenburg zu verdoppeln. Dafür brauchen wir eine attraktive Radverkehrsstruktur. In kleineren Orten mit beengten Straßen ist das nur mit Einführung von Tempo 30 möglich. Es ist wichtig, das kürzere Wege in Zukunft mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden."

Der Landkreis hat für die Ablehnung der Petition bisher Zählungen, die nicht genug Fahrzeuge ergaben oder zu wenig Verkehrslärm, herangezogen. 

Ferch im "Staatlich Anerkannten Erholungsort Schwielowsee" 
Bisher wurde die Petition noch nicht aus Sicht eines Erholungsortes geprüft. Karl Heuer fordert, dass die Behörden die gültige STVO auch zur Bewilligung von Tempo 30 auslegen und eine schnelle Maßnahme einleiten.

Probleme aus Bürgersicht
Weiterhin berichten Bürger von ihren Problemen an den Kreisstraßen.

Heidi Knappe von der "Kräuterwerkstatt" in Ferch beklagt den Lärm am Kammeroder Weg, spricht von abgefahrenen Spiegeln an parkenden Autos und überfahrenen Katzen.

Familie Buik berichtet, dass gerade heute ein Auffahrunfall geschehen sei, der natürlich nicht in die Statistiken einfließt. Auch werden Bilder von schweren Unfällen gezeigt, die in der Doppelkurve im Ortsteil Mittelbusch immer wieder passieren. Max Leinert beschreibt seine Sorgen, wenn er mit den Kindern entlang der Fercher Straße fährt. Durch die überhöhte Geschwindigkeit sei das Gefährdungspotenzial sehr hoch. Viele andere Fercher Bürger befürworten im Interview einstimmig Tempo 30 zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. 


Michael Scheibe weist abschließend auf die Rahmenbedingungen der STVO hin. Er wünscht den Bürgern viel Erfolg und bedankt sich für die engagierten Diskussionen.





(c) Fotos: Karl Heuer

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