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"Fliegen müsste man können" - "Tag und Nacht"

Gudrun Mader und Oda Schielicke präsentieren ihre Werke zum Jahresende im KUNST-GESCHOSS Werder


Wer wünschte es sich nicht, das Gefühl von Entgrenzung, wie es in der Titelzeile anklingt?! In der Stadtgalerie Werder werden solche Phantasien sinnfällig. Die Gäste auf der Vernissage der neuen Ausstellung "Gudrun Mader | Oda Schielicke" am 24. November 2021 sind eingeladen zu freien Assoziationen und anregender Kommunikation.

Gudrun Mader, "Fliegen m. m. können", Aquarell/Tusche, 2016



Oda Schielicke, "Tag und Nacht", Öl auf Leiwand, 2021

Gerade jetzt, im auslaufenden zweiten Corona-Jahr 2021 mit seinen wieder ansteigenden Inzidenzen und verstärkten Infektions-Eindämmungs-Schutzmaßnahmen, ist Selbstoptimierung angesagt. Über KUNST-GENUSS. Unpünktlich zur Grippesaisoneröffnung grenzen wiederkehrende Pandemieverordnungen unsere freie Lebensgestaltung erneut ein, das Verfassungsgericht in Karlsruhe erklärt die Bundesnotbremse von April 2021 rückwirkend für "verhältnismäßig und mit dem Grundgesetz vereinbar" (WELT online, 30.11.2021) und sendet damit Handlungssignale an die neu sich konstituierende Bundesregierung, der Große Zapfenstreich für Angela Merkel wird im ZDF unterbetitelt als "Eine 2G+ Veranstaltung".


In diesen betrüblichen Zeiten öffnet uns das KUNST-GESCHOSS in seinen realen Ausstellungsräumen von November 2021 bis Januar 2022 willkommene Ausflüchte in helle virtuelle Welten.


"Die Ausstellung ist eröffnet!"

Kurator Frank W. Weber mit Oda Schielicke und Gudrun Mader

Oda Schielicke - "eine Künstlerin 'In Wandlung' " (Kurator Weber)

Wir fliehen in Oda Schielickes "Traumwelt I", tauchen ein in ihr "Zirkusleben II", richten unseren Blick auf "Die Natur" mit "Blattwerk", "Vision" und "Geheimnis", erinnern uns beim "Roten Sommerstrauß" an einen "Sommernachtstraum" mit "Mondstein" (vlnr). Wie in ihrer 2014er-Werderaner Ausstellung "In Wandlung" zeigt die Malerin 2021 ihre Wandelbarkeit in Form, Technik und Sujet.


Und präsentiert frisch ihr Windspiel Friedrich als "Mein[en] Freund" im Kunstkatalog und im KUNST-GESCHOSS:


Gudrun Mader - "eine wunderbare Druckgrafikerin" (Kurator Weber)


Wir lassen uns von Gudrun Maders "Gletscher-Welle" tragen,



entern "Segelboote", tauchen ab in die "Südsee" und wieder hoch als "Strandgut" "Am Ufer", weichen einem "Bösen Geist" aus und finden "Im Gespräch" mit "Drei Frauen" erotisch-kommunikative Dramatik in "Akt 1" und "Akt 2" (vlnr).


In der heimischen Flusslandschaft zwischen Werder und Schwielowsee - dort landen wir wieder nach dieser Phantasiereise.


Zu ihren "14 Aquarellen verschiedener Pleinairs" ist Gudrun Mader durch ihre Malkurse angeregt worden. "Bei gutem Wetter zieht es uns raus auf die Insel in Werder", schwärmt sie mir von ihren Malkursen vor. Es gehe nichts über das kreative Schaffen vor Ort, mit allen Sinnen Licht und Luft, Wasser und Wellen, Boote und Bäume und Blüten, Gemäuer und Geräusche wahrzunehmen.

Kurator Frank W. Weber lobt die Malerin für ihr kunstpädagogisches Engagement: "Sie hat einen großartigen Kontakt zu den Leuten". Mehr noch: "Sie versteht es, ein breites kunsttechnisches Handwerk zu vermitteln und zehrt für sich auch künstlerisch aus dem produktiven Schaffen dieser Kurse"(aus dem Flyer zur Ausstellung). In ihrem Kunsthof Glindow und im Treffpunkt Werder setzt die Kunsttherapeutin kreative Prozesse in Kursgruppen mit Kindern und Erwachsenen in Gang.

"Wenn der See beginnt zu singen" - Oda Schielicke schafft mit Farben und Formen ein synästhetisches Erlebnis für die Galeriebesucher. Welch einnehmender Farbklang für die Seenlandschaft in unserer Region!


Daneben rufen "Der Frühlingsbaum" und "Die Apfelernte" regionale ländliche Kulturtraditionen in Werder und Schwielowsee wach. Eine Streuobstwiese in Acryl?! In natura soll sie entstehen in der Nachbargemeinde Schwielowsee - ein Herzensprojekt der Ortsvorsteherin Kathrin Freundner für die Bürgerinnen und Bürger in Caputh (ich blogge darüber in den nächsten Tagen).


Zwei Künstlerinnen - Ausbildungswege, Berührungspunkte, Entwicklungen

In seiner Ansprache führt Kurator Frank W. Weber Gudrun Mader und Oda Schielicke als zwei "lokal bekannte Künstlerinnen" ein. Gudrun Mader ist in der Nähe von Marburg geboren und "hat sich vor 30 Jahren in den Ost-Dschungel gewagt". Die gebürtige Potsdamerin Oda Schielicke hat sich in Werder "einen Namen gemacht, wie sie in vorher, bis 2015, in Caputh hatte". Beide haben ihre künstlerische Begabung über Hochschulstudien geformt und in Lehrtätigkeiten wie auf Ausstellungen praktiziert. Beide eint die Liebe zur Grafik - mit unterschiedlichem Stellenwert in ihrem künstlerischen Schaffen. Und vor allem ihre sozial engagierte Tätigkeit in Werder. "Das sind natürlich wunderbare Multiplikationseffekte, die diese beiden Damen nutzen", lobt der Kurator die Arbeit der beiden Künstlerinnen mit ihren Kreativgruppen.

Ähnlich wie ihre Künstlerkollegin Gudrun Mader hat Oda Schielicke ihr maltechnisches Spektrum mit den Jahren erweitert.


"Bei den Traumbildern aus dem letzten Jahr, die hier hängen, greife ich im Nachgang zu Feder und Tusche, um in die Öl- oder Acrylmalerei Akzente zu setzen. Die Liebe zur Grafik ist mir zu eigen. Das ist ein Feld, das ich wieder neu aufleben lassen muss. Und da muss ich Gudrun auch danke sagen, dass sie mich animiert hat, wieder mehr Grafik als Malerei zu machen. Malerei und Grafik sind Ausdrucksformen, die sich ungeheuer gegenseitig inspirieren."


Doch anders als Gudrun hat Oda ihre kunstpädagogische Phase abgeschlossen: "Die Kurse, die ich 20 Jahre lang gegeben habe, in Caputh und Werder, sind vorbei. Nach Punkt 20 Jahren habe ich gesagt: Jetzt bin ich dran. Jetzt widme ich mich ganz meiner eigenen Malerei. All diese Bilder, die Sie hier sehen, sind in diesem und im letzten Jahr entstanden, also ganz aktuell. Das ganze Jahr hat man mich an einer Staffelei vorgefunden. Das war mein Leben!" "Eine ungeheure Energiequelle für mich, dieses letzte Jahr", verrät sie mir eine Woche später, als wir uns wieder in der Galerie treffen.


Gudrun Mader hat "dank Frank" für diese Ausstellung ihre alten Radierungen mitgebracht. Das war und ist ihre Leidenschaft. "Früher hab' ich überall, wo ich gewohnt habe, in Heidelberg, in Bonn, ein Atelier gesucht, wo ich Radierungen lernen konnte", sagt sie in ihrer Ansprache auf der Vernissage. "Da zeigt sich eine Gudrun, die richtig Klasse hat", schwärmt Kurator Weber in seiner Einführung.

Die Grafikerin ist ihrer Technik treu geblieben, hat sie aber innovativ weiterentwickelt.


"Ich hatte ja noch eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin gemacht. Und als ich hierher kam, vor 30 Jahren, da hab ich dann gemerkt, ich will einfach sozial arbeiten. Und so hab' ich mir überlegt, welche Techniken es noch gibt, damit ich Menschen einbeziehen kann. Weil - bei Radierungen, da arbeitet man wirklich mit Säure, mit Metallen, das ist nicht so einfach mit Gruppen. So sind dann verschiedene Techniken entstanden, manche sind ganz eigene Erfindungen. Man kann sie hier sehen und mich fragen, wie die entstanden sind."

Ich frage und bekomme Antworten zu Gudrun Maders innovativen Radierungen.


"Dies hier zum Beispiel ist eine klassische Radierung", erklärt sie mir. "Ein Druck von einer Kupfer- oder Zinkplatte, die vorher eingeritzt und mit Chemikalien behandelt wird. Aber - den Umgang mit Metallen und Chemikalien muss man wirklich lernen."

"Und hier habe ich eine dicke Pappe mit Glanzschicht von Tchibo genommen, ein Abfallprodukt eigentlich, die Pappe lässt sich leicht mit dem Cutter einritzen, auch für ungeübte Hände wie in meinen Malkursen. Auch Tetrapacks gehen: Man reißt sie auf und ritzt sie auf der Alubeschichtung innen ein."

"Das ist ja geniales Upcycling!", staune ich.

"Ja, das gefällt mir, aus Industrieabfällen Neues zu gestalten. Und es macht total Spaß, und teilweise setze ich das dann auch in meinen Malgruppen um. Auch Acrylfarben auf der Palette - nicht einfach entsorgen. Besser - ausstreichen, mit Fantasie weitermachen."


Familiär engagiert treffe ich Gudrun Mader etwas später wieder, umringt von Enkeln und ihren Freunden, voll in ihrem Element als Kunstpädagogin vor ihrem Gemälde "China".


Malerei und Lyrik - zwei komplementäre Zeichensysteme und Begabungen in einer künstlerischen Hand


Einige ihrer 2021er-Werke mit neuen Sujets finde ich versammelt in Oda Schielickes neuem Kunstkatalog "Reife Zeit", das auf der Vernissage von Frank W. Weber galant dem Publikum präsentiert wird und im KUNST-GESCHOSS ausliegt. Darin entdecke ich noch eine neue Handschrift der Künstlerin: motivgerechte und zeitgemäße Vierzeiler.


In den beiden letzten Strophen lese ich eine Anspielung auf unser turbulentes pandemisches Zeitgeschehen:

Wenn die Zeit reif ist

beginnen das Erwachen,

die Einsicht und

die Wandlung.


Wenn die Zeit reif ist

beginnt die Zeit

um miteinander zu teilen,

wird aus weniger mehr,

aus groß wird klein,

aus den Tränen wächst ein Halm.


Eindringlichere Alltagsworte findet die Künstlerin als engagierte Mitbürgerin in ihrer klaren Ansage am Rednerpult:


"Und was jetzt mit Corona passiert, da schüttele ich nur den Kopf und sage: Was soll das alles? Warum lassen sich die Menschen nicht impfen? Ich bitte jeden Tag darum, appelliere an die Vernunft der Impf-Ablehner!"








Spontaner Applaus gibt ihr Recht. Die aktuelle politische Diskussion zur Impf-Pflicht ebenso.





*****


Die Ausstellung "Gudrun Mader | Oda Schielicke" ist bis Sonntag, 9. Januar 2022, zu sehen.



Immer donnerstags, samstags und sonntags, von 13 - 18 Uhr und eintrittsfrei.



Auch an den Weihnachtsfeiertagen 25./26.12.2021 und am 2. Januar 2022 ist die Stadtgalerie geöffnet. Sie bleibt geschlossen am Neujahrstag, 1. Januar 2022.


Wer an Kunst als Geschenk fürs Fest denkt, findet im KUNST-GESCHOSS eine reiche Auswahl an Grafiken und Gemälden -

für kleines Geld wie für den größeren Geldbeutel.



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