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  • Hilda Steinkamp

Trommeln im TARUK-Haus

Aktualisiert: Nov 2

Sabine Braun bringt Rhythmik und Bewegung in Hände und Herzen

Mit Trommelwirbel

zieht kurz vor seinem Ende der KreativHerbst Schwielowsee 2021 ins Souterrain des TARUK-Hauses in Caputh ein. "I love Percussion" - vier Stunden und eine kreative Pause dauert das Rhythmusprogramm für Neulinge und Neugierige. Die Werbetrommel per Flyer und Internet hat Sabine Braun gerührt, Kreativitätspädagogin, Musikerin und Malerin im Atelier Pinsel-insel in Geltow.


Ihrem Aufruf folgen am 30. Oktober 2021 fünf Frauen und eine Bloggerin. Percussionistin Sabine hat selbst Trommelerfahrungen auf ihrer Erkundungsreise nach Gambia in Westafrika gesammelt, so erzählt sie eingangs in der Anwärmphase. Ihre Kenntnisse und Begeisterung möchte sie heute an ihre Workshop-Gruppe weitergeben.

Für uns hat sie die westafrikanische Djembé mitgebracht, eine Bechertrommel, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstammt besteht. Sie ist mit einem Ziegenfell als Membran bespannt, manchmal mit Plastik statt Fell. Von den Volks-gruppen der Malinké und Bambara aus Westafrika stammt sie und blickt auf eine lange Tradition zurück, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.


Im Übungsraum begrüßt uns Sabine im runden Sitzkreis zum 3. Workshop in der Saison, "um anderen wie euch und mir selbst Freude zu machen."


Wir fackeln nicht lange, dehnen und strecken uns mit ihr zum Lockerwerden: "Wir müssen in Bewegung kommen."


Vorspiele mit Klangexperimenten

Auf zur ersten Gruppenaktion


Im Stehen klatschen - erst alle im gleichen Takt, dann drei so, drei anders, off-beat, "dazwischen kommen".


Jede von uns klatscht ihren Rhythmus nach einem Lieblings-song oder einer Melodie, die ihr gerade durch den Kopf geht. Meine ist "Happy birthday ..." - passt gerade familiär. Wir halten ein Weile durch, kommen in den Flow, "mit Körperbewegung bitte" - Sabines Ansage. Eine Trommlerin - die Chefin wohl - wird gewollt lauter, dominant. Die Rhythmen der anderen verändern sich. Dann das Stopp.


"Was ist passiert?", will Sabine wissen.

"Man passt sich dem dominanten Rhythmus an", ist meine Erfahrung. "Dann schaltet sich der Kopf ein: Nein, folge deinem eigenen Rhythmus. Also Kopf gegen Körper - das alte Spiel. Und man fällt irgendwie raus, wenn man sein eigenes Ding weitermacht."

"Genau", bestätigt Sabine. "Zusammen trommeln hat einen gruppendynamischen Geist! Und den wollen wir heute miteinander erleben." Passt, der Geist. Einen Tag vor Halloween!

Body awareness - unsere zweite Körperübung

Unseren Körper als Klangkörper bewusst wahrnehmen, und zwar top down: mit den Augenlidern klimpern, mit den Nasenflügeln vibrieren und schnauben, mit dem Rachen Luft einziehen und ausstoßen, auf aufgeblasene Wangen klopfen, Luft durch gefaltete Hände stoßen.



"Die flache Hand auf den offenen Mund schlagen, Zähne zusammen - auch sehr effektiv!" Sabine macht's vor. Plopp!

Bei uns bleibt's klanglich bescheidener. Mit den Fingern schnipsen geht besser, Hände reiben auch.


Bodypercussion, unser letztes Vorspiel


Sabine kramt in Erinne-rungen:

"Als Kind habe ich schon immer auf was drauf-geklopft: Möbel, Sachen, Körper. Und den Klang gemocht. Und die Frauen in den westafrikani-schen Dörfern, die ich besucht habe, singen und spielen und klopfen selbst auf Kürbisse!"


"Also, aus unserem Körper holen wir drei Klänge, drei Tonhöhen", erklärt Sabine. "Und das geht so:

Schlagen auf die Oberschenkel: mittlere Tonhöhe, auf die Brust: am tiefsten, mit den Händen klatschen: am hellsten. Alles klar? Probiert's mal!"


Wir schlagen mit den Händen im Wechsel rechts - links (bei Rechtshändern, Linkshänder umgekehrt):


2 x auf die Brust, 2 x auf die Oberschenkel, 1 x auf die Brust, 2 x mit den Händen klatschen.

Alle im gleichen Takt. Klingt schon gut.



Später wird uns Sabine diese schriftliche Notation an die Hand geben. Später, wie gesagt, sie ist Pädagogin: Im Übungsprozess hätte uns das Papier abgelenkt - zu viel Kopfarbeit. Fürs Üben hilft learning by doing und - wenn man rauskommt aus dem Rhythmus - gucken, wie's die anderen machen. Oder die Trommelchefin.



Genau so hat Sabine Braun auch das Trommeln auf ihrer Gambia-Entdeckungsreise gelernt:

  • aus der Anschauung durch einen der bedeutenden Vertreter der westafrikanischen Musikkultur, Famoudou Konaté, Trommler von Geburt (1940 in Guinea/Westafrika) und aus Leidenschaft, als Trommel-Solist rund um die Welt gekommen,

  • bei Tanz und Gesang und Percussion mit Trommeln und Alltagsgegenständen in westafrikanischen Dörfern

  • und wissenschaftlich in Gambia begleitet durch Prof. Dr. Thomas Ott von der Hochschule der Künste in Berlin.

Also: viel praktisches Tun, viel Modell-Lernen mit der Djembé-Meisterin und die nötige systematische Vertiefung - das ist der Weg, den wir mit Sabine im Workshop gehen.


Auf zum Trommeln auf der Djembé


Wir hören auf die Trommelexpertin: "Was wir gerade bei der Bodypercussion erprobt haben, gilt auch für die Trommel. Wir haben drei Töne: Bass, Tom, Slap.

  • Bass, der tiefste Ton: in der Mitte der Membran

  • Tom, der mittlere Ton: am Rand der Membran, mit geschlossenen Fingern, aufschlagen bis zu den Fingerwurzeln, nicht mit der Handfläche

  • Slap, der hellste Ton: auch auf dem Rand, aber mit gespreizten Fingern."


Unsere erste Trommelrunde

Auf die Stühle, fertig - und noch nicht los!! Die Trommel leicht schräg nach vorn kippen, den Trommelkörper mit den Füßen und Schenkeln halten.


"Legt die Finger dicht nebeneinander.

L- o - c - k - e - r ... nicht krampfen! Und dann schlagt mit der flachen Hand auf die Mem-bran. Und bildet eine kleine Mulde mit der Handinnenfläche."

Sabine macht's vor, Karin ihr nach, wir anderen folgen.


Erstmal trommeln wir wie wild durch-einander. Hohe Töne, tiefe, mittlere. Um das Feeling fürs Instrument und unsere Schlagkraft zu gewinnen.


"Schlag' ich aus dem Ellenbogen?", fragt Susanna. "Denn aus der Schulter heraus wird's stressig."

"Ja, aus dem Ellenbogen und die Handgelenke gerade halten, nicht abknicken", rät Sabine. Ergonomisch wertvolle Tipps!


Dann trommeln wir auf der Djembé im Rhythmus der Bodypercussion, im Wechsel rechte Hand - linke Hand (bei Rechtshändern, bei Linkshändern umgekehrt):


2 x Mitte, 2 x Rand (die Finger dicht beieinander), 1 x Mitte, 2 x Rand (die Finger gespreizt).

Minutenlang, selbstvergessen, die Schlagabfolge mit den Händen bald wie automatisiert, einige Augen geschlossen, die anderen weit offen, wenn was schiefgelaufen ist, wir üben ja noch, der Geist zunehmend freier, raumenthoben, zeitvergessen, Körper und Trommel im Einklang.

Dann das Stoppzeichen von Sabines Trommel:


Rhythmuswechsel.

Handzeichen.

Und ein letzter, lauter Schlag.

Peng!

Hände still.


Trommeln stumm.


Wir geerdet.


Zurück im Keller-gewölbe.


Pause!

Nach 60 ebenso munteren wie sportlichen Mitmachminuten erwartet uns eine willkommene Stärkung auf dem Küchenblock. Ich muss weiter nach Ferch, zum nächsten Event an diesem ereignisdichten letzten Oktoberwochenende. Komme aber wieder!


Rückkehr nach zwei Stunden


Zurück aus Ferch klingen mir auf der Straße aus den hohen Lichtschächten des Keller-geschosses im TARUK-Haus gedämpfte Trommeltöne ans Ohr, beim Eintritt in den Übungsraum bleibe ich staunend stehen und lausche den harmonischen Klängen der Trommelgruppe: einer konzertierten Performance von Trommlerinnen, die sich nach nur drei Trainingsstunden mit Sabine Braun ein Zusammenspiel von zwei Stimmen zutrauen: Djolé.


Dieser Rhythmus aus Sierra Leone sieht später in der Notation von Sabine so aus:






Und so im Zusammenspiel der Gruppe:











Was ist passiert in den beiden Stunden, in den ich flüchtig war und nicht mitgemacht habe?


Und was mache ich mit den Boomwhackers und Rasseln im Übungsraum bzw. was machen diese mit mir?


Wer ebenso neugierig ist wie ich,

kann sich kundig und trommelfit machen

im nächsten

"I love Percussion" - Workshop

mit Sabine Braun,

am Samstag, 11. Dezember 2021,

von 14 bis 17 Uhr.

Meldet euch an unter: sabine@pinselinsel.info oder 0176 84652743.




Was bringt dir das Trommeln im Workshop?

Katrin aus Bonn, zu Gast bei Karin

in Caputh:

"Es war besser, als ich dachte. Ich komme raus aus dem Rhythmus, aber auch wieder rein. Die Gruppe hilft. Perspektivisch könnte ich mir eine Fortsetzung vorstellen. Eine gute Inspirationsquelle, das Trommeln. Entlastung vom Alltag. Konzentration aufs Spiel. Abschalten. Und eine super Atmosphäre hier im Workshop mit Sabine!"




Astrid, 'Wiederholungstäterin' aus Caputh

mit eigener Djembé:

"Ich hab' meine Technik verbessert,

hatte Falsches gelernt vor vielen Jahren.

Und ja, Spaß hat's gemacht!

Wir haben viel zusammen geschafft."







Susanna aus den Niederlanden, seit 2013 in Caputh, als Voice-Leader bei SoNg - Singen ohne Noten:


"Was mir passiert ist? Ein blauer Finger (lacht). Ein sehr interessantes Etwas, dieses Trommeln, als ob man in einer höheren Atmosphäre wäre, so meditativ. Ich muss erst verstehen, dann den Kopf ausschalten, nicht daran denken, wo ich die Hand auflegen muss, sonst komm ich raus aus dem Rhythmus. Ohne Kopf wird's automatisch. Wenn ich denke, kann ich ja auch nicht tanzen."


Karin aus Potsdam:

"Ein super Rhyth-mus! Wenn man rein-kommt, nimmt einen das mit, man ist im Fluss. Aber ich komme auch an Grenzen in der Ausführung, nicht so kopflastig sein, das hilft, einfach machen, sich fallen lassen. Das macht Spaß! Aber Singen fällt mir leichter - trotzdem!"

Barbara aus Caputh:

"Den Workshop haben mir meine soul sisters spendiert, Susanna und Karin. Eine super Investition! Das macht so'n Spaß, in den Rhythmus reinzukommen, so ein schönes Gefühl, der Körper geht mit, ich bin gut durchblutet, ganzkörperlich erwärmt!"


Mit diesen Live-Statements aus unserer Gruppe, das Trommelerlebnis noch frisch in Händen und Herzen, klingen Fach-meinungen, die ich später im Netz finde, nicht wie graue Theorie:


"US-Studien zufolge kann schon eine Übungseinheit in einer Trommelgruppe

die Alphawellen im Gehirn (sind bei Ruhe und Entspannung aktiv) verdoppeln.

... Beim Trommeln werden außerdem Endorphine (Botenstoffe im Gehirn, 'Glückshormone') ausgeschüttet, die Wohlbefinden erzeugen ... körpereigene Opioide."

(www.freitrommelkonzept.de)


Schlussakkord

Auf so natürliche, "körpereigene" Weise in Sabines Trommel-Workshop gedoped, sind wir bereit für ihre letzte Übung mit Cups. Das sind schlichte, aber klang-körperintensive Zahnputzbecher aus Plastik, als Standardprodukt zum 1-€-Tarif in jedem Drogeriemarkt gehandelt, in Sabines geschickten Händen jedoch zum handlichen Schlagzeug mutiert. Wir folgen ihr zum Esstisch in der Küche, stellen die Cups vor uns auf die Tischplatte, Öffnung nach unten.

"Wir schlagen im 5er-Takt: dip-dip-du-bi-dup." Los geht's: zweimal in die Hände klatschen (dip-dip), zweimal mit den Händen rechts-links auf die Tischkante schlagen (du-bi), Becher mit einer Hand hochnehmen und wieder auf die Tischplatte runtersausen lassen (dup). Gleich nochmal von vorn und dann in Endlosschleife bis zum Abwinken. Wir sind wieder im Trainingsmodus (die meisten) und (einige) dann im flow! "Stopp!", ruft Sabine uns aus der leichten Trance zurück. "Ihr ward großartig heute, ihr habt mir viel gegeben!" Sie uns erst! Ihr Workshop - eine Droge zum Weitermachen!


"Schlage die Trommel

und fürchte dich nicht!"

So sagt Heinrich Heine, wohl der bekannteste Ruhestörer in der deutschen Lyrik, und meint dies als Aufruf zur zivilen Wachsam- und Wehrhaftigkeit im vorrevolutionären Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So aufregend sind die Zeiten heute nicht. In Schwielowsee. Wir gehen eher vom Trommeln beschwingt furchtlos in die Halloween-Nacht - darüber mehr in meinem nächsten Blog-Beitrag.


*****


Das TARUK-Haus, in dem wir im Trommel-Workshop zu Gast waren, ist der Firmensitz von TARUK International GmbH, dem Touren- und Reiseanbieter in Schwielowsee. TARUK bietet Rundreisen nah und fern auf allen Kontinenten für kleine Gruppen an: www.taruk.com. Geschäftsführer ist die Familie Haape, Inhaber auch der SchlossGalerie Haape in Caputh: www.schlossgalerie-haape.de.





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