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  • crystalcove15

"Pinsel? Nicht mein Ding!"

Aktualisiert: 22. März

Volker Franzius zeigt mit "Farbmomenten" seine künstlerische Handschrift in der Kulturkirche Petzow


Vier Jahre hatte er schon auf der Warteliste für Veranstaltungen in der Kulturkirche in Petzow ausgeharrt, dann haben ihn zwei weitere Jahre durch Corona unfreiwillig entschleunigt - kreative Atellierzeiten für seine C(orona)-Serie 2020/22.

Jetzt endlich konnte Volker Franzius aus Berlin seine Einladungen herausschicken: zur Vernissage seiner Ausstellung "Farbmomente - Abstrakte Malerei" am 13. März 2022.


Und sie kommen in Scharen: Freunde (darunter kurioserweise Gerhard Richter aus Berlin, ohne Malerverwandtschaft, Bild 2: re), Bekannte, Wegbegleiter aus Berlin, Bonn und Bamberg - kein Weg ist zu weit. Die Zeit der kulturellen Zwangsdiät scheint vorbei:

Die Schinkelkirche in Petzow füllt sich an diesem superkalten, sonnigen Märztag mit Kulturhungrigen - fast wie vor den pandemischen Distanzjahren:

"Ich bin nicht Gerhard Richter"

"Farbe hat mich immer schon fasziniert", bekennt der Maler. "Früher, als ich noch berufstätig war, hab' ich im Urlaub Aquarelle gemalt, Landschaften meist. Nach meiner Pensionierung 2007 habe ich dann Kunstkurse besucht und eine neue Stilrichtung für mich entdeckt - das Rakeln mit Acrylfarben, nicht mehr gegenständlich, sondern abstrakt. Und ich habe mich auf leuchtende Farben kapriziert - schauen Sie mal ..."


Der Künstler lenkt meinen Blick auf die Leuchtflächen an den monochromen Kirchenwänden:

Wie macht er das?

"Ich mache einen Farbauftrag, einfarbig oder mehrfarbig, auf der Leinwand, entweder direkt aus der Tube oder mit einem Spachtel. Dann ziehe ich mit einem Rakel über die Fläche. Na ja, neu ist die Rakel-Technik nicht, Gerhard Richter hat sie bekannt gemacht, mit seinem Riesen-Rakel, 3 m lang, meiner ist bescheidener, selbstgebaut, damit kann ich Farbe abstreifen, wieder wegkratzen, neue Strukturen schaffen. Man kann weitere Farbschichten auftragen und so bearbeiten, und irgendwann sieht man: Halt! Das ist der Moment! Alles Weitere würde das Bild verschlechtern. Daher auch mein Ausstellungstitel 'Farbmomente'".

Der Zufall ist beim Rakeln gewollter Teil des Schaffensprozesses.


Und das geht so ganz ohne Pinsel? Das fragen ihn verwunderte und bewundernde Laien.


Für den Maler eher ein sekundäres Werkmittel: "Seit neun Jahren habe ich keinen Pinsel mehr in der Hand gehabt, höchstens, um Übergänge zu verwischen."


Und so sehen Volker Franzius' "Farbmomente" aus - Momente des Eintauchens in eine Bildwelt der Abstraktionen, die Strahlkraft der Farben hält Besucher vor den Bildern fest, die Sinnfindung liegt ganz bei ihnen, auch bei so suggestiven Thematiteln wie "River" (unten re) oder "Underwater Fire" (oben li):

Wer selbst seinen Experimentiergeist wecken lassen will, kann sich kunsthandwerkliche Anregungen holen. Hier geht's zu einem Rakel-Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=3MtrfDm8YeE.

Paul Klee, "Haupt- und Nebenwege"(1929)

Für die Kreativität gibt's keine Rezeptur. Die muss jede/r selbst entwickeln, erfahren im praktischen Tun. Paul Klee fand auch seinen ganz eigenen Gestaltungsweg mit dem Rakel (re).


Andererseits fällt Kreativität auch nicht vom Himmel, sie lässt sich fördern. Diesen Weg ist Volker Franzius gegangen. Er hat sich Kenntnisse und Anregungen geholt, in Kunstkursen, vor allem bei Gabriele Wiesecke, einer Malerin in Charlottenburg.

"Und wo landete ich? In der Kirche"

Wie kam Volker Franzius aus dem urbanen Berlin hierher, in diesen entlegenen, gleichwohl kulturell belebten Flecken an der Havel?


"Wie Theodor Fontane, praktisch auf dessen 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg'. 2016, auf einem Sonntagspaziergang", erinnert sich Franzius, "landete ich in der Dorfkirche in Petzow. Solch ein 'Kleinod', wie Fontane sagte, auf dem Grelleberg gelegen, mit dem besten Blick vom Turm über die Seenlandschaft. Die Kirchentür stand offen,

da lief gerade eine Kunstausstellung, das wollte ich auch, habe Frau Patzer kennengelernt, auf ihren Rat eine Bewerbung geschrieben - und landete weit hinten auf ihrer Anmeldeliste. Man muss einen langen Atem haben als Künstler!"








"Kreativer Unruheständler"

Doris Patzer, Kulturamtsleiterin des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Bad Belzig, attestiert dem Maler kreative Unruhe in einem Lebensabschnitt, in dem andere sich zur Ruhe setzen. Wohlverdient, ja - so heißt es wohl, aber auch antriebsarm. Nicht so Volker Franzius. In seinem 80. Lebensjahr strahlt er energetische Lebensfreude aus. Geboren in Bad-Gastein in Österreich, ausgebildet zum Doktor-Ingenieur in Hannover und Darmstadt, war er ein gutes halbes Leben lang in Berlin im Umweltbundesamt beim Bodenschutz tätig.


Und ist bodenständig geblieben, blitzt es durch meinen Kopf. Bei aller zeichnerischen Begabung, die er als Ingenieur für Flächen, Formen, Linien und Proportionen mitbringt, und bei seinem kreativen Gestaltungswillen ist er vor allem auch ein solider und ausdauernder Kunstschaffender. Nach nur kurzem Anlauf in der Kunstszene hat er seit 2009 Jahr für Jahr seine Werke in Gruppen- oder Einzelausstellungen für Kunstliebende in Berlin, Teltow, Hamburg und Ahrenshoop auf dem Darß zugänglich gemacht - und mit Verkaufserfolg auch in ihre Häuser gebracht. Hier zwei Einrichtungsfotos von zufriedenen Kunden:

Museumsgang und Ausklang

Nach den Ansprachen von Kulturamtsleiterin und Künstler ist die Besucherschar nicht mehr auf den hölzernen Sitzbänken im Kirchenraum zu halten. Kommen Sie mit auf einen Gang entlang der Kirchenwände mit dem Reichtum an "Farbmomenten" von Volker Franzius (am rechten Bildrand Mitte > klicken):

Ausstellungseröffnung gelungen. Die Gäste begeistert. Der Künstler gefeiert. Kuratiert wurde seine Ausstellung von Tochter Stephanie Franzius, Modedesignerin in Berlin, ihr Ehemann Piet Franzius-Truhlar sorgte fürs Technische: Rahmung und Aufhängung.

Die gesamte Familie Franzius sonnt sich im lebhaften Publikumszuspruch und in der späten Nachmittagssonne vor den Kirchenmauern.

Familie Franzius: Tochter Christine, Tochter Stephanie, Ehefrau Maria Theresia, Volker und Schwiegersohn Piet

Enkel Paul: Nachwuchs-Kunstfreund

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Für ein Live-Erleben der Ausstellung "Farbmomente"

öffnet die Kulturkirche Petzow ihre Pforten

immer samstags und sonntags von 12:00 - 16:00 Uhr.

Die Ausstellung läuft bis zum 10. April 2022.


Informationen: doris.patzer@potsdam-mittelmark.de

033841 - 91442




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