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  • Hilda Steinkamp

"Mein Markenzeichen ist der besondere Blick"

Aktualisiert: 14. Juni

Kristin Maria Hachenbergs Fotogalerie in der Kulturkirche Petzow


Lichtspiele im Wasser poetisieren die Realität

Die Magie des Lichts entdecken? Welcher Schauplatz böte sich dazu idealer an als Venedig?! Auch Kristin Maria Hachenberg, Berliner Fotografin aus Leidenschaft seit ihrer Jugend, entdeckt in der Lagunenstadt einen reichen Fundus an Motiven im Glanz von Licht und Wasser. Ich frage sie und sie antwortet:

"Was mich an Venedig reizt? Zum einen als Architektin und Stadtplanerin die Einmaligkeit der historischen Stadtanlage, umgeben und durchzogen vom Wasser, zum anderen als Fotokünstlerin die Vielfalt an Details und das spezielle Licht, das u.a. die wunderbaren Spiegelungen in den Wasserflächen erzeugt und auch eine besondere Farbigkeit zum Ausdruck bringt."

Und so betitelt sie ihre Ausstellung in der Kulturkirche Petzow treffend als "Wasser - Poesie des Realen".

Sich auflösend IX, Venedig 2013 - Foto: K. M. Hachenberg

Die Begeisterung der Fotografin kommt in diesem Venedig-Bild künstlerisch zum Ausdruck. Hier löst sich im sanften Wellengang des Kanals - wohl nach einer Kahnfahrt - die reflektierte Fassade eines venezianischen palazzo (Wohnhauses) mit der stadtarchitektonisch typischen Fensterumrandung aus weißem Marmor auf. Der schmale

Himmelsausschnitt, den man im schnellen Alltagsgang durch die engen Häuserschluchten kaum erblickt, schlängelt sich hier im Spiegelbild des Kanals wie ein leuchtendblaues Rinnsal am Bildrand entlang. Das einfallende Licht wird wie Goldsträhnen in die Struktur der Wellenbewegung eingewoben.

Was dem Auge manch eines eiligen Venedig-Touristen entgeht, schafft in diesem Foto das Auge der Kamera: Das Abbild im Wasserspiegel überhöht die Realität. Es schönt die vielfach marode Fassade der Häuser und das dunkle, oft brackige Wasser der Kanäle.


Dies ist keine Fotomontage, keine Foto-App-Bearbeitung. Nichts ist konstruiert. "Ich mache Bilder, wie sie sind", erläutert mir die Künstlerin ihre fotografische Haupttechnik. Doch mit ihrem "besonderen Blick" für das Kurzzeitige im Zusammenspiel von Licht, Wasser und Architektur lässt die Fotografin

"Bildschöpfungen entstehen, die flüchtige einmalige und verfremdete Abbilder der Realität schaffen und häufig durch ihre grafische Wirkung oder die unerwartete Farbigkeit faszinieren."

Dynamischer Moment, Svolvär (N), 2019 - Foto: K. M. Hachenberg


Nicht minder faszinierend für die Fotografin sind Küste und Inselgruppen im Norden Norwegens, ihrem zweiten Lieblingsland. "Dort gibt es vergleichbare faszinierende Lichtverhältnisse wie in Venedig, nur mit einem anderen Farbton", wirft sie erklärend ein. In Svolvär, der größten Stadt der Inselgruppe Lofoten, macht sie eine weitere ästhetische Entdeckung. Ein entfernt passierendes Boot bringt die spiegelglatte Wasseroberfläche in Bewegung, sie schlägt flache Wellen, die massive Häuserfront am Ufer biegt sich in synchroner und doch eigenwilliger Schlangenbewegung. Keine Sinnestäuschung im reflektierenden Wasserspiegel. Auch kein zufälliger Schnappschuss. Wohl eher eine sekundenschnelle Entscheidung der Künstlerin für einen "Dynamischen Moment": das fotoästhetische Zusammenspiel von Licht und Wasser und Gemäuer.


Der Teleblick ästhetisiert das Unwesentliche

Weiter in Norwegen unterwegs entdeckt die Fotografin in Bodö nördlich des Polarkreises ein unscheinbares dünnes Drahtgeflecht an der Wasseroberfläche, offenbar gedankenlos entsorgt im Meeres-Müllcontainer. Sie holt es vor ihr Teleobjektiv und schafft ein filigranes Gewebe von erstaunlicher Schönheit -

"eine eigentümliche Ästhetik des Unwesentlichen",

wie sie es nennt.






Ihr Kamera-Auge fängt auch einen zufälligen Wassertropfen ein und gibt so der Bildkomposition "Diagonal" (Bodö 2019) ein weiteres Gestaltungelement, "den Verbindungspunkt von Diagonale und Halbkreis", erklärt sie mir. Da spricht die studierte Architektin und langjährige Partnerin in städtebaulichen Planungsbüros in Hannover und Stuttgart. Ab 1990 ging Kristin Maria Hachenberg parallele Wege in Hauptberuf und Fotografie. Zahlreiche Fotoausstellungen, vor allem in Berlin, Brandenburg und Baden-Württemberg, sowie Preise zeichnen ihren künstlerischen Weg bis heute.


Bildüberlagerungen schaffen Scheinwelten
Wohl ein Irrweg, Berlin 2013 - Foto: K. M. Hachenberg

Dies ist Hachenbergs zweite Fototechnik: zwei Motive digital überlagern.

Ein Passant ist zu Fuß unterwegs in Berlin bei Regenwetter. Eine alltägliche Szene. Jetzt setzt die Kameraperspektive ausschnitthaft ein. Der flüchtige Schritt über Kopfsteinpflaster tritt aus dem oberen Bildrand heraus. Zurück bleibt für den Betrachter das Spiegelbild in der Pfütze: die komplette Gestalt zum flüchtenden Schuh, mit Jacke und Rucksack.


In der Bildbearbeitung überlagert die Fotografin den urbanen Bildausschnitt mit einem Wassermotiv: Es entsteht eine surreale Ansicht, als würde der Passant von der Eigenbewegung einer weit größeren Wasseroberfläche, als sie eine Pfütze bietet, mitgerissen und quasi mit ihr verschwimmen.

"Durch Blickpunkt, Ausschnitt, Lichteffekt oder Überlagerung entstehen unerwartet hintergründige Bildaussagen",

so lässt sich die Fotografin in ihr künstlerisches Handwerk schauen.


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Diese wenigen hier vorgestellten Fotografien können nur einen ersten Einblick in die aktuelle Ausstellung in der Schinkel-Kirche in Petzow geben. Wer selbst mehr sehen (lernen) möchte, seinen Blick für das Schöne im wie unbedeutend erscheinenden Moment schärfen möchte, kann die Fotoausstellung "Wasser - Poesie des Realen" von Kristin Maria Hachenberg noch bis zum 19. Juni 2022 besuchen, immer samstags und sonntags von 11 - 18 Uhr. Die Fotografin selbst ist anwesend und lässt sich gern auf Gespräche mit Gästen ein. Der Eintritt ist frei.


Alle Fotos sind auf Aludibond mit UV-Schutzfolie (für lange Farbbrillanz) aufgezogen,

im Format 50x70 cm erhältlich

und werden in einer kleinen Auflage von max. 3/Motiv angeboten.

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