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Logierhaus am Schloss Caputh - Anlaufstation für Gäste

Aktualisiert: 16. März

Tourist Information Schwielowsee und SPSG ziehen als Mieter ein

Kaiserwetter am 11. März 2022 auf dem ehemals kurfürstlichen Areal des Caputher Lustschlosses, des ältesten in der Potsdamer Kulturlandschaft. Es ist der Tag der offiziellen Eröffnung des sanierten Logierhauses im Schlosshof.


Zwanzig Jahre, nachdem 1999 das Schloss nach aufwändiger Restaurierung öffentlich wieder zugänglich wurde, begannen die Sanierungsarbeiten am maroden Logierhaus, mit Fördermitteln vom Bund und von den Ländern Berlin und Brandenburg für die ca. 2 Mio. Euro Baukosten. Und nach drei Jahren planerischer und architektonischer Glanzleistung im Rahmen denkmalpflegerischer Auflagen präsentiert sich das Gebäude nun im historischen Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts, doch mit hochmoderner Ausstattung.

Neue Mieter

ziehen ein ins frisch sanierte Logierhaus. Bereits seit Anfang Februar 2022 ist hier die Tourist Information Schwielowsee tätig. Kultur- und Tourismus-Managerin Marion Trumbull (li) und Maike Jänike, verantwortlich für das Kultur- und Tourismus-Marketing, freuen sich über ihren neuen Arbeitslatz mit hellen, freundlichen Räumen in prominenter Lage , "im touristischen Herzstück direkt am Schloss."

"Dieser Blick vom Schreibtisch aufs Schloss - das macht was mit einem", schwärmt Meike Jänicke. "Kann man motivierter unsere Gäste in Schwielowsee empfangen?!"

Ab April wird das Logierhaus dann wirklich zum Hotspot für den Tourismus, wenn Kastellanin Petra Reichelt (re) die Schlossbereichsleitung von hier aus steuert. Marketing-Prinzip der kurzen Wege: "Bei unseren Mitarbeiterinnen, Corinna Corneli und Christel Langhoff, holen sich die Besucher die Infos ab und direkt daneben bei Petra Reichelt die Tickets für die Schlossbesichtigung. Der beste Startpunkt, um Schwielowsee zu erkunden", preist Meike Jänike die neue Tourismuszentrale im Ort an. Auch Kerstin Schilling (li), Direktorin der Abteilung Schlossmanagement der SPSG, lobt dieses effektive Nutzungskonzept für das sanierte historische Haus.

"Ein ganz toller Erfolg,

trotz zwei Jahren Pandemie und Engpässen im Baubereich", gibt sich Kai Schlegel erleichtert. "Das Haus sollte Anfang 2023 übergeben werden, aber tatsächlich haben wir schon im Januar 2022 die Übergabe gemacht." Als Direktor der Generalverwaltung der SPSG (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg) gratuliert er den 3PO-Architekten in Potsdam und weiß auch:


"Ohne die öffentliche Hand geht nix.

Ganz herzlichen Dank an Frau Lange für die Bereitstellung der Fördergelder."

"Wie man sehen kann, ist jeder Euro sehr gut angelegtes Geld", bilanziert Katrin Lange, Ministerin der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg. "Und diese Maßnahme ist auch im Kostenrahmen geblieben."


Kerstin Hoppe bestätigt als Bürgermeisterin von Schwielowsee, wie wichtig die Vernetzung aller Kräfte ist: "Solch ein Projekt, das kann man nicht alleine stemmen. Und ganz sicher nicht ohne die Unterstützung vom Finanzministerium und von der Preußischen Schlösserstiftung!" Das marode Denkmal musste erst den Besitzer wechseln, vom Land zur Stiftung, damit Fördermittel für die Sanierung fließen konnten.

Andererseits ist die Bürgermeisterin stolz auf den förderwürdigen Status von Denkmälern in der Gemeinde Schwielowsee als "Staatlich anerkanntem Erholungsort". Dieser Titel wurde in ihrer Amtszeit mit vereinten Kräften vor 10 Jahren erworben. 2022 hegt sie die begründete Hoffnung, in diesem Jahr eine entsprechende 10-jährige Verlängerung dieses Gütesiegels zu erreichen. "Und weil wir "Staatlich anerkannter Erholungsort" sind, haben wir eine 95%-ige Förderung bekommen, das heißt, unser Eigenanteil war sehr, sehr gering."


Historische Bausubstanz und zeitgemäße Nutzung

"Es war nicht ganz einfach", führt Ministerin Katrin Lange weiter aus, "die herausfordernden Investitionen und die Vorgaben des Denkmalschutzes unter einen Hut zu bringen. Allein die energetischen Anforderungen - da hat sich seit dem 18. Jahrhundert doch einiges getan. Und jetzt haben wir eine sehr schöne zeitgemäße Nutzung, mit Tourist Information und Schlossbereichsleitung unter einem Dach. Die Ingenieur- und Architekturbüros haben es wahrgemacht: wie man Altes mit moderner Nutzung verbinden kann."


Ein Blick ins Gebäude zeigt diese geglückte Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Funktionalität:

Fotos 1 + 2: Moderne robuste Natursteinfliesen ersetzen die nun im Keller gelagerten Ölandplatten, schwedische Kalksteintafeln, wie sie in herrschaftlichen Bauwerken verlegt wurden

Foto 3: Treppe mit zeitgemäßer barrierefreier Rampe als zurücktretendes neues Bauelement vor überlieferter Fassade

Fotos 4 + 5: Moderne Brennkesselanlage und Kohleofen aus den 1970er-Jahren

Fotos 6 - 8: Kellereingang heute, in der Bauphase und halb verfallen im Leerstand nach 1987

(c) Foto 7: SPSG, Foto 8: dpa

"Die gesamte Klaviatur aller Schadensbilder,

die man sich vorstellen kann" - davon weiß Ayhan Ayrilmaz (li) ein Lied zu singen. Vor allem an "Gründungsschäden" erinnert sich der Direktor der Abteilung Architektur bei der SPSG: "Das Haus hatte noch nicht mal ein Fundament, das haben wir erst beim Ausgraben festgestellt." Entsprechend habe die aufsteigende Feuchtigkeit Sockelmauerwerk und Außenwände durchdrungen. Auch die marode Dachkonstruktion sei regendurchlässig gewesen. Ebenso als ungeeignet für wohnliche Zwecke hätten sich die Geschossdecke, die Fachwerkinnenwände und der Fußboden dargestellt. "Wir haben unkonventionell gebaut", erklärt der Architekt zum Baugeschehen, "erst das Dach, dann die Fassade, dann die Innenräume."

Projektleiterin Jana Giesa aus der Abteilung Architektur bei der SPSG Potsdam illustriert mit ihrer Fotosammlung die ruinösen Objektzustände des Logierhauses nach über 30 Jahren Leerstand.


Wir steigen ins Dachgeschoss, mit ihr und Markus Heckel, Mitarbeiter im Architekturbüro 3PO in Potsdam, und erfahren dabei Interessantes aus der wechselvollen Nutzungsgeschichte des sanierten Hauses.






Das Logierhaus war Teil des königlichen Wirtschaftshofes mit Brauerei und Brennerei, Stallungen und Scheune. Von seiner Nutzungsidee her war es eine Herberge. Bewohner wechselten im Laufe ihrer 250-jährigen Geschichte häufig, je nach Stand und Gesellschaftsform. Nach Fertigstellung 1738/1744 logierten dort Gutsverwalter und Gesinde, später, nach Verpachtung durch Friedrich den Großen an Färberei und Lederfabrik, verschiedene Handwerker, im 19./20. Jahrhundert Gäste der Schlossherren aus Militär- und Adelskreisen und nach deren Enteignung ab 1947 Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Akademie, die in Schloss und Kavalierhaus einzog. Zuletzt, von 1961 bis zum Leerstand 1987, diente das Logierhaus als Internat für eine kommunale Berufsschule, die im Schloss untergebracht war.

Unter der jetzt fachmännisch restaurierten und wärmegedämmten Dachkonstruktion soll dieser historische Endzustand des Logierhauses sichtbar bleiben: mit Originalbauteilen wie Waschbecken, Kachelofen, Türen, notdürftig ausgebessertem Mauerwerk und bröckelndem Putz an Decken, Außen- und Zwischenwänden. Der sanierte Dachboden bleibt damit museal. Auch für die Öffentlichkeit verschlossen. Und endgültig vom Planungstisch sind zwischenzeitliche Nutzungsideen wie Hotel Garni oder Ferienwohnungen.


Nachhaltig, dauerhaft und schön

Architekt Ayrilmaz zieht Bilanz:

"Nachhaltigkeit ist mit unseren Häusern ganz gut zu machen: Wir haben umfänglich wärmegedämmt, Schadstoffe entfernt, regionale Materialien verwendet, regionale Handwerkerbetriebe beauftragt, das sind kurze Transport- und Arbeitswege. Die ökologische Entwässerung sieht man leider nicht."

Bei den energetisch effizienten Fenstern verzichteten die Architekten auf heutiges Mehrscheibenisolierglas. Nach einem einzigen erhaltenen Original wurden die historischen Kastenfenster nachgebaut. Das sind zwei Fenster in einer Fensteröffnung: ein Kassettenfenster aus Holz mit Einfachverglasung öffnet sich nach außen, ein zweites Fenster mit moderner lärmisolierender Doppelverglasung nach innen, der Zwischenraum sorgt für die wärmedämmende Wirkung.





Funktionstüchtige Fensterläden aus Holz vervollständigen den Dämmschutz. Der zarte blaugraue Farbton der Läden harmoniert mit dem kräftigen Beige des Wärmedämmputzes - nachhaltig schön!


Auch diese Baudetails zeigen das Fingerspitzengefühl der Sanierer. Sie vertreten eine Baukultur, die im sanierten Gebäude mit zeitgemäßer Ausstattung dessen Geschichte erlebbar macht.


Nutzungskonzept: Besucherservice

Die Grundidee, Touristen mit geschulten Fachfrauen wie gut sortierten Info-Flyers im Mittelflur umfassend zu informieren, lässt sich im Logierhaus eindrucksvoll erkennen, sobald man den Fuß über die barrierefreie Schwelle setzt:

Weiter punkten kann die Tourist Information Schwielowsee mit diesen originellen Service-Ideen, "die wir als Gemeinde und Mieter eingebracht haben", erklärt Bürgermeisterin Hoppe.

  • XXL-Wandkarte im Flur: "Bin ganz begeistert von dieser Karte, so kann ich unsere Gäste besser beraten und ihnen Lust auf unsere Region machen", schwärmt Meike Jänike

  • Digitale Navigations-Säule daneben lockt auch junge User an

  • WiFi überall

  • Lauschstation: Audio-Guide in Deutsch und Englisch für große, "Sandmännchen" für kleine Gäste

  • Kinderecke: Der Große Kurfürst und seine Frau Dorothea in Unterwäsche auf Magnettafel können aus der Klamottenkiste mit Magneten historisch-elegant oder modern-leger eingekleidet werden, z.B. mit Hawaihemd und Rollschuhen

  • Schließfächer: für Schloss- oder Parkbesucher, die ihren Wanderrucksack ablegen wollen; 4 Mini-Schließfächer mit Ladestation für Handy oder Tablet



  • Museums-Shop (demnächst): Kaffee, Getränke und Snacks, u.a. von Kräuter-Heidi aus Ferch, regionale Produkte zum Mitnehmen, kleine Kulturgeschenke aus dem Schlossmuseum




Ein Kleinod im Osten Capuths

"Und wenn man bei so tollem Wetter und in einer so schönen Umgebung sich doch noch was wünschen darf", stimmt Kai Schlegel in werbendem Ton und mit bewunderndem Blick auf das vollendete Logierhaus an. "Es gibt in unserer Stiftung noch viele weitere Denkmale, die der Restaurierung harren, und insofern hoffen wir auf weitere finanzkräftige Unterstützung durch Bund und Länder."

Kerstin Hoppe: "Wir arbeiten alle schon so viele Jahre eng zusammen: mit Frau Reichelt als Schlossherrin, mit Frau Schilling, die unsere Mietverträge machte, und mit meinen beiden Damen vom Kultur- und Tourismusamt. Das ist das, was uns stark macht!"

Eine erste zufällige Tagestouristin trifft per Fahrrad aus Potsdam ein (zuvor mit dem Zug aus München), findet den Schalter zum Selbstöffnen an der Eingangstür zum Logierhaus, gönnt sich drinnen eine kundige Beratung zu den lohnenden Zielen in Schwielowsee - und denkt prompt um: "Und ich dachte, hier gäb's nur das Schloss und das Einsteinhaus!"


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Öffnungszeiten des Logierhauses:

April - Oktober

täglich

10 - 16 Uhr

November - März

mo - fr

10 - 16 Uhr
























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